DIN 77200-1 und DIN 77200-2: Welcher Teil passt zu Ihrer Sicherheitsdienstleistung?

BasiQ Wissenswertes · DIN 77200

DIN 77200-1 und DIN 77200-2: Welcher Teil passt zu Ihrer Sicherheitsdienstleistung?

Kurz erklärt

Teil 1 beschreibt allgemeine Anforderungen, Teil 2 ergänzt besondere Leistungsbereiche. So ordnen Sie Ihr Leistungsangebot richtig ein.

Teil 2 baut auf Teil 1 auf

Die DIN 77200 ist eine Normenreihe. Teil 1 enthält allgemeine Anforderungen an Sicherheitsdienstleister. Teil 2 ergänzt diese für besondere Leistungsbereiche. Die beiden Teile sind daher keine frei austauschbaren Qualitätsstufen.

Normteil Einordnung
DIN 77200-1:2022-10 Allgemeine Anforderungen; stationäre und mobile Sicherungsdienstleistungen sowie Veranstaltungssicherungsdienst.
DIN 77200-2:2020-07 Zusätzliche Anforderungen für Veranstaltungen und Objekte mit besonderer Sicherheitsrelevanz, öffentlichen Personenverkehr sowie Flüchtlings- und Asyleinrichtungen beziehungsweise Unterkünfte.
DIN 77200-3:2020-07 Regelt das Verfahren zur Zertifizierung der Sicherungsdienstleistungen.

Auch innerhalb von Teil 1 zählt die konkrete Tätigkeit

Anhang A der DIN 77200-1 unterscheidet Grundanforderungen A, erweiterte Anforderungen B und hohe Anforderungen C. Die Zuordnung erfolgt anhand der Tätigkeit und ihres Anspruchs. Für Stufe A verweist die Norm auf die Nachweise nach 4.1 b) 1) und 2), einschließlich der Sechsmonatsregel. Die Stufen A bis C sind weder die Normteile 1 bis 3 noch frei wählbare Zertifikatsklassen.

Prüfen Sie den tatsächlichen Leistungsbereich

Unser Vorgehensvorschlag: Beschreiben Sie zunächst Aufgaben, Einsatzumfeld, Risiken und Schnittstellen zum Auftraggeber. Ordnen Sie danach die Dienstleistung dem passenden Normbereich zu. Die Bezeichnung „Objektschutz“ im Angebot allein beantwortet diese Frage noch nicht.

Beispiel: Ein Unternehmen bietet Empfangsdienst in einem Bürogebäude an und erhält später eine Anfrage für Sicherheitsleistungen in einer Flüchtlingsunterkunft. Es sollte dafür die zusätzlichen Anforderungen des einschlägigen Bereichs nach Teil 2 prüfen. Ein vorhandenes Zertifikat für den bisherigen Empfangsdienst beantwortet nicht automatisch die neue Anfrage.

Was ein Zertifikat erkennen lassen sollte

Vergleichen Sie die ausgewiesenen Dienstleistungen und Standorte mit dem geplanten Auftrag. Prüfen Sie den Gültigkeitsstatus bei der ausstellenden Zertifizierungsstelle. Eine allgemeine Werbeaussage wie „DIN-zertifiziert“ ist für diese Prüfung zu ungenau.

Von der Einordnung zur Vorbereitung

  1. Leistungsbeschreibung mit dem Auftraggeber abstimmen.
  2. Passenden Normteil und Geltungsbereich bestimmen.
  3. Personal, Schulungen und Einsatzorganisation auf die Anforderungen ausrichten.
  4. Fehlende Nachweise und notwendige Änderungen dokumentieren.
  5. Den beantragten Zertifizierungsumfang mit der Zertifizierungsstelle klären.

Den Normstand bewusst festhalten

Zum Prüfdatum führt DIN Media die oben genannten Ausgaben als aktuell. Zusätzlich ist DIN 77200-3:2026-02 als Entwurf veröffentlicht. Ein Entwurf ist noch keine veröffentlichte Nachfolgeausgabe. Notieren Sie deshalb in Ihrer Projektplanung die verwendete Fassung und prüfen Sie den Status vor einer neuen Zertifizierungsvereinbarung erneut.

Quellen und Originaldokumente

Originalquellen zuletzt geprüft am 20.10.2026. Die verlinkten Veröffentlichungen können vom Herausgeber aktualisiert werden.

Von der Regelung zur praktischen Umsetzung

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